
Adolf Lohse 1896 / Kieler Schifffahrtsmuseum
Fritz Jahn ein alter Laboer Fischer erinnert sich.
"Die Wade ist ein Zugnetz und wird mit der Hand eingeholt", erklärt Fischer Fritz Jahn. Er hatte noch selbst mit dem Wadennetz gearbeitet hat. Schon als kleiner Junge war Fritz Jahn mit seinem Vater fischen. "Mein Vater segelte und ruderte noch mit seinem Wadenboot zum Fangplatz und die lagen damals nicht nur in der Kieler Förde, sondern auch in der Eckernförder Bucht oder auch vor Alsen. Vor Ort wurde der Steckmast mit dem Segel herausgezogen und ins Boot gelegt. So hatten die Fischer in den kleinen Booten Platz zum Arbeiten. Ich weiß es noch, wenn sie manchmal hoch nach Alsen oder in die Eckernförder Bucht segelten und ihren Proviant und Schlafsack in einer kleinen Holzkiste mit einem Schnäpper versuchten wasserdicht zu verstauen. Und ich höre noch die Mahnungen der alten Fischer, nimm bloß keine Gummistiefel! In Gummistiefeln schwitzt man und bekommt Gicht. Gummistiefel kamen gerade neu auf den Markt. Die Alten aber trugen lieber lange schwere Lederstiefel aus der Werkstatt von Schuhmacher Heinrich aus Kiel.
Der Fang aus dem Wadennetz wurde meist in sechs Parten aufgeteilt. "Mit zwei Booten mußte die Wade ausgelegt werden und für jedes Boot brauchte man zwei Leute. Also bekam jeder einen Part. Die meist zwei Besitzer des Netzes (Foto) wurden mit je einem Part ausbezahlt. Zwei Bootsleute taten sich zusammen und jeder holte sich für den Winter noch einen Macker mit ins Boot. Im Sommer arbeiteten die Helfer dann meist im Straßenbau oder anderswo.
Unsere Boote waren alle nicht eingedeckt also offen und ungefähr 28 Fuß lang, das sind gerade sieben bis acht Meter. Nur wenige der Boote wurden hier in Laboe gebaut. Die meisten Wadenboote zimmerten die Bootsbauer in Eckernförde. Alle hatten sie am Bug ihre Fischereinummer aufgemalt, nur wenige Fischer hatten ihren Booten einen Namen gegeben.
Der Fischerverein legte in der Mitgliederversammlung die Zugzeiten fest. Am Wochenende durfte nicht gefischt werden. Früh am Montagmorgen ging es wieder raus, obwohl der Zug gegen Abend der Beste war. Es war trotzdem ganz unterschiedlich und es hing ganz vom Grund ab. An der Sandtonne zum Beispiel war der Morgenzug der Beste. Wir unterschieden Wechsel- und Festzüge, die Festzüge nannte man Herrenzüge. Bei Falckenstein das waren dort Wechselzüge, da konnte man nicht liegen bleiben. Jägersberg und Friedrichsort waren feste Züge. Die Züge wurden in ein Heft eingetragen. Jeder Zug hatte seinen Namen. Zum Beispiel kenne ich noch:
-"Hohe Reev" -binnen und buten- bei Falckenstein;
-beim Jägersberg der Zug, der nach Laboe zog, der hieß "Professor". Aber warum, das weiß ich nicht;
-auch einer beim Jägersberg, der hieß "Der Scheebe";
-oder "Die Fischkuhle", dort mündete ein kleiner Bach, heute ist das nur ein Rohr. Da bekam man öfter mal einen Lachs oder einen Butt mit ins Netz;
-Bei Korüggen, das ist vor Möltenort, dort wohnte ein Fischer mit seiner Frau an einer kleinen Brücke mit einem Kran. Bei Nebel lief die Frau raus auf die Brücke und schlug auf einen Kessel. Der Zug hieß "Ketteltog".
-Bei Kitzeberg, zu dem sagten wir "Gurk", ich glaub weil das Ufer dort so krumm wie eine Gurke verläuft.
Wenn wir den Zug erreichten, legten wir das Netz nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt aus. Parallel zum Strand zogen wir die Flügel der Wade auseinander. In einem großen Bogen ruderten wir zum Ufer, während wir die Zugleine von der Haspel laufen ließen. So weit wie möglich am Strand verankerten wir beide Boote dicht beieinander.
Mit der Hand, ohne Winde holten wir das Netz ein. Das war schwere Arbeit. Gleichmäßig mußte gezogen werden. Wir riefen uns immer die Längen zu. Der Hering oder Sprott sammelte sich in einem Sack. Hummel nannten wir den Sack. Wir fischten hauptsächlich Heringe oder Sprotten. Je nachdem, wo wir fischten, war auch mal ein Dorsch und ganz selten ein Lachs im Netz. Wenn der Fisch schon anfing über den Strand "zu laufen", scheuchten wir ihn mit dem Plümper wieder zurück ins Netz.
"Den Fang sortierten wir hier in Laboe und legten einfach unseren Namenszettel auf die Fischkisten. Morgens mit dem ersten Dampfer kamen die Kisten zur Auktion nach Kiel. Heute ist in der alten Fischhalle das Kieler Schifffahrtsmuseum.
Einmal im Frühjahr hatten wir 14 Zentner Hering gefangen. Erst dachten wir, es wäre ein guter Fang. Aber die Händler hielten zusammen. Sie setzten uns oft ganz schön unter Druck, indem sie unseren Fang einfach nicht aufkauften. Es gab damals noch über zwanzig Räuchereien in Kiel. Die Fischaufkäufer sahen sich unseren Fang an und gingen ins Hotel Ostsee, ohne zu kaufen. Da standen wir nun in der warmen Frühjahrssonne mit unseren Heringen. Später kam einer aus dem Hotel zu uns zurück und kaufte den ganzen Fang für nur 60 Mark. Mit der gegründeten Genossenschaft konnten wir dann bessere Erlöse erzielen.
Hering und Sprott waren der Brotfisch. Aber an einem Wintertag bin ich mit ein paar anderen Fischern und einem Schlitten, voll beladen mit Dorsch, losgezogen. Wir versuchten, Dorsch auf dem Land zu verkaufen. Mit unseren Dorschen auf dem Schlitten zogen wir nach Brodersdorf, Hagen über alle Dörfer, aber niemand wollte Dorsch. Damals wollte kein Mensch Dorsch haben. Zum Schluß kippten wir unseren Dorsch einfach hintern Zaun